Forderung nach eigenständigen Fachbereichen für das Fach ETHIK an den deutschen Universitäten und Hochschulen
Offener Brief des Fachverband Ethik e.V., Bundesverband an die Bundesministerien für Bildung und Forschung und an die Mitglieder der Kultusministerkonferenz der Länder.
Sehr geehrter Frau Bundesministerin Prien,
sehr geehrter Frau Bundesministerin Bär,
sehr geehrte Frau Staatsministerin Klepsch,
sehr geehrte Ministerinnen und Minister für Bildung und Wissenschaft in den Ländern,
ethische Fragen sind heute allgegenwärtig. Weltweite politische und militärische Entwicklungen erfüllen viele Menschen mit tiefer Sorge: Verträge werden gebrochen, Desinformation gezielt verbreitet, die Rechte der Schwächsten missachtet.
Hinzu kommen globale Krisen wie Klimanotstand, Artensterben, Wasserknappheit, wachsende soziale Ungleichheit, die Risiken von Kernenergie und Künstlicher Intelligenz – alles Themen von grundlegender ethischer Relevanz, die unser Leben und unsere Zukunft unmittelbar betreffen.
Ethische Orientierung berührt alle Lebensbereiche. Sie ist Voraussetzung für Demokratie, für Bildung und für das friedliche Zusammenleben in Familien und Gesellschaft. Doch Werte wie Respekt, Toleranz und Solidarität entstehen nicht von selbst: Gewaltfreie Kommunikation muss erlernt, reflektiert und weiterentwickelt werden. Und sie muss in die Praxis umgesetzt werden – von den Klassenregeln in der Schulklasse bis hin zum Völkerrecht unter den Nationen.
Gerade deshalb gehört zur Ethik nicht nur die rationale Auseinandersetzung mit Normen, sondern auch die Frage, wie sie erfolgreich im Alltag verwirklicht werden können. Hierzu sind auch Psychologie, Verhaltenswissenschaft (Humanethologie) sowie Sozial- und Kulturwissenschaften unverzichtbare Partner.
Trotz ihrer enormen gesellschaftlichen Bedeutung ist Ethik in der akademischen Welt bislang nicht angemessen verankert:
Ethik ist das einzige Schulfach in Deutschland ohne eigenständige Fachbereiche.
Zwar existieren zahlreiche Ethik-Professuren – an den theologischen und philosophischen Fakultäten und in verschiedenen angewandten Wissenschaften wie z.B. Medizinethik oder Ethik der KI. Einrichtungen wie das Internationale Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW, Tübingen) oder der Deutsche Ethikrat zeigen darüber hinaus erfolgreiche interdiszplinäre Ansätze. Doch es gibt bislang keine institutionelle Bündelung für das Fach.
Im akademischen Raum fehlen eigenständige Fachbereiche Ethik, die
- die verschiedenen Ansätze zusammenführen,
- sie auf eine solide wissenschaftliche Grundlage stellen und zugleich
- die Bedingungen für die praktische Umsetzung ethischer Normen erforschen.
Die Einrichtung von eigenständigen, interkulturellen und praxisrelevanten Fachbereichen Ethik an
den Universitäten und Hochschulen liegt nicht nur im Interesse von Schulen und Ausbildungseinrichtungen. Sie liegt ebenso im Interesse von Wirtschaft und Politik, Religionen und Weltanschauungen, Familien, Verbänden und Gemeinschaften. Sie liegt im gesamtgesellschaftlichen Interesse.
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